Franzosenkreuz

Das Franzosenkreuz auf Birkenauer Gemarkung steht auf der Höhe an einem Verbindungsweg zwischen Birkenau und Kallstadt in unmittelbarer Nähe des Reisackers.

Um seine Entstehungsgeschichte ranken sich verschiedene Sagen.

Eine Sage berichtet, dass ein französischer Offizier, der vom Reisacker von Soldaten Korn abfahren ließ, von einem Kallstädter Bauern an der Stelle des Kreuzes erschlagen wurde.

Ganz ähnliche Erklärungsversuche sind für andere Steinkreuze im Odenwald überliefert.

Einer anderen Sage nach wurden bei Franzoseneinfällen, bei schweren Kämpfen französische Soldaten erschlagen und in einem Massengrab verscharrt. Zum ewigen Gedächtnis daran sei dann das Franzosenkreuz errichtet worden.

Ein anderes Sagenmotiv wird seltener erwähnt. Vor vielen Jahrhunderten soll eine große Hungersnot geherrscht haben. Zwei Brüder, die eine Maus gefangen hatten, stritten sich heftig um diese. Dabei kam es zu einem Streit, wobei der eine den anderen erschlug. Zur Sühne musste der Brudermörder ein Kreuz setzen lassen.

Vielleicht nimmt die Bezeichnung Franzosenkreuz auf einen Vorfall Bezug, der sich Ende November 1799 abgespielt hat. Angehörige der Wörther Zentkompanie, die die Einheimischen bei der Abwehr der Franzosen unterstützt hatten, begaben sich von Birkenau nach Ober-Abtsteinach. Dabei wurde aus Sicherheitsgründen der Weg über die Höhe gewählt. In einer Schilderung heißt es: "Unterwegs fanden wir im Wald einen Tambour von Bürstadt tot liegen. Er war durch die Schulter geschossen und war ihm der Kopf halber abgeschlagen, das Hirn lag neben ihm. Wir ließen ihn nach Ober-Abtsteinach fahren, in Stroh binden und dort begraben." Diese Gräueltat wurde nach Lage der Dinge von Franzosen begangen.

 

Oder aber unternahmen die Franzosen vom Reisacker einen Einfall nach Birkenau und lieferten das namensgebende Ergebnis. Dafür spricht der in der Nähe befindliche Franzosengraben.

Sicher ist aber, dass das Kreuz eher im 15. Jahrhundert gesetzt wurde, also lange vor den Franzoseneinfällen, die ganzen Erklärversuche können also nicht zutreffen. Nach herrschender Meinung handelt es sich bei dieser Art von Steinkreuzen um Sühnekreuze, die wegen eines vorgekommenen Mordes auf Kosten des Täters gesetzt wurden. Die Setzung des Kreuzes wurde oftmals durch einen Sühnevertrag geregelt, der auch noch die Wiedergutmachung durch Geldzahlungen an Hinterbliebene, Kirchenbußen oder weltliche Bußen vorsah.

In einer Ortsbeschreibung von 1803 wird dieses Flurdenkmal schlicht als "Kreuz" bezeichnet. Auch frühere Gemarkungsbeschreibungen um 1680 gebrauchen die Bezeichnung "am Kreuz".

Recht interessant ist eine Tatsache, die dem aufmerksamen Betrachter nicht entgeht. Auf der Schauseite ist eine Inschrift „IHS“ für Jesus. Über dem H befindet sich die Darstellung eines Herzes, auf dem wiederum ein Kreuz steht.

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