Katholische Kirche "Maria Himmelfahrt"

Die katholische Kirche in Birkenau wurde im Jahre 1819 erbaut. Am 12. Mai 2019 richtete die Pfarrgemeinde das Fest zum 200jährigen Jubiläum aus. 

Aus diesem Anlass wurde eine ausführliche Festschrift erstellt mit einer längeren Abhandlung von Andreas Matzke zur Geschichte der Kirche. Daraus werden hier einige Passagen aufgeführt.

Die Vorgeschichte:

Bis zum Bau der jetzigen Kirche in Birkenau gab es bereits ein Kirchengebäude und zwar an der Stelle, wo jetzt die evangelische Kirche steht.

Zur Vorgeschichte aus der besagten Festschrift:

Eine Kirche in Birkenau wird erstmalig im Jahr 1365 urkundlich erwähnt, als der Ritter Schwend von Weinheim eine Frühmesse in der Kirche zu Birkenau stiftete. Zuvor war diese Kirche Filialort von Weinheim und stand auf dem Hügel an der Weschnitz, wo sich heute die evangelische Kirche befindet. Aus dieser (spät-)romanischen Bauanlage entstand in drei zeitlich auseinanderliegenden Bauabschnitten die alte Birkenauer Kirche.

Wie auf Abb. 1 zu sehen, bestand der alte Kirchbau aus einem Rechteckchor, einer Vierung, beidseitigen, schmalen Querschiffräumen und einem quergestellten Kirchenschiff.

 

In Abb. 2 ist auf dem Grundriss der alten Kirche das Querschiff und das Kirchenschiff noch klar erkennbar. Das Kirchenschiff wurde verlängert und - wohl in einem späteren Bauabschnitt - mit einem Turm erweitert, der das Kirchenschiff nochmals vergrößerte. 

Im Zuge der Reformation wurde Birkenau ab 1520 lutherisch. Jedoch gab es bis 1630 katholischen Gottesdienst in der Kirche, da einer der drei Lehnsherren, Freiherr von Wambolt, bis zu jener Zeit katholisch geblieben war und für eine katholische Frühmesse am Sonntag Sorge trug.

1630 bis 1656 gab es gewiss keinen katholischen Gottesdienst in Birkenau. Erst im Jahr 1656 wurde der katholische Gottesdienst durch Kurfürst Johann Philipp von Schönborn - als Zugeständnis an die katholische Gemahlin des lutherischen Junkers von Bonn - erlaubt. 

Seit 1721 ist die Kirche in Birkenau als Simultaneum, d.h. als Gottesdienstraum beider Konfessionen, im Gebrauch, als die Ortsherrschaft für das ganze Lehen Birkenau dem Freiherrn von Wambolt aufgetragen wurde. Er führte an-stelle der Frühmesse einen Sonn- und Feiertagsgottesdienst für die katholischen Gläubigen ein. 

Wir dürfen uns das Zusammenleben der beiden Konfessionen nicht harmonisch vorstellen. Immer wieder gab es Streit und Auseinandersetzungen, die über Beleidigungen bis zu Handgreiflichkeiten reichten. Das war auch bei der Nutzung der Kirche zu beobachten: So beklagten sich die Lutheraner über die Katholiken, dass der katholische Gottesdienst an Heilig Abend merklich in die Länge gezogen war. Weil dieser Gottesdienst etwa 3 Stunden dauerte, mussten die Lutheraner vor der Kirche in der Kälte warten. Die gemeinsame Nutzung der Kirche bezog sich nur auf die Sakristei, in der die Katholiken ihren Gottesdienst feierten. Weil diese jedoch sehr klein war, und der zuständige Pfarrer über die gebotene Sonntags- und Feiertagspflicht seiner Schäfchen wachte und genau wusste, wer zum Gottesdienst kommen sollte, reichte dieser Raum nicht aus, und so mussten viele im „evangelischen Teil“ der Kirche stehend dem Gottesdienst folgen.

Um die Jahrhundertwende (18./19. Jhd.) war die Kirche in einem „bedrohlich schlechten baulichen Zustand“. Dem Auftrag, die Kirche entsprechend reparieren zu lassen, konnte die Gemeinde Birkenau aufgrund des schlechten Zustands der Kirche und mangels finanzieller Mittel nicht nachkommen. 

Ein weiterer Hauptgrund, so die Chronisten, war die Durchführung der Vereinbarungen des „Religionsvergleichs“ von 1793. In dieser Urkunde vom 23. August 1793 wurde durch den Ortsherren Freiherr von Wambolt unter anderem der Bau einer neuen katholischen Kirche auf Kosten des Ortsherrn zugesichert. „Bis zur Vollendung des Neubaus (der katholischen Kirche) bleibt das Simultaneum bestehen“.

Die Fakten der Baufälligkeit und die polizeiliche Schließung durch das Hoheitsamt am 10. Juni 1811 drängten nun zu baldigem Handeln und die Einlösung der Wambolt‘schen Zusage. Letztendlich stand die alte Kirche doch noch 6 weitere Jahre, bis sie 1817 abgerissen wurde. 

Am 4. September 1802 wurde durch Dekret des Generalvikariats Aschaffenburg aus der „Filiale Birkenau“ der katholischen Pfarrei Mörlenbach die neue eigenständige „Pfarrei Birkenau“. Freiherr von Wambolt sorgte bereits im Frühjahr 1801 für Wohnung und Unterkunft eines von ihm angestellten Geistlichen. Nachdem alle Widrigkeiten, der Geistliche sollte als Kaplan der Mörlenbacher Pfarrei eingesetzt sein, durch freiherrliche Intervention beim Bischof beseitigt waren, kam es schließlich zur Bestellung des ersten Pfarrers durch Freiherr von Wambolt. Am 24. September 1802 wurde Franz Michael Heier als erster Pfarrer der neuen Pfarrei eingeführt.

Der Gottesdienst sollte zunächst in der Wambolt’schen Orangerie abgehalten und auch für lutherischen Gottesdienst zur Verfügung gestellt werden. Jedoch Baron Emmerich von Wambolt, der Bruder des Freiherrn, weigerte sich, die Orangerie zu räumen, so dass Pfarrer Heier in der kleinen Kapelle im Untergeschoss des Pfarrhauses die Messe feierte. Erst im Jahr 1812 konnte Baron Emmerich vom neuen Pfarrer Bauer dazu bewogen werden, die Orangerie als Gottesdienstraum zu überlassen.

War dieses „schicke Lokal“ das Ende vom Traum der eigenen Kirche? Die Nutzung der überlassenen Orangerie konnte als Verzicht auf die vertraglich zugesicherte Bauzusage verstanden werden. Pfarrer Bauer konnte jedoch bei den zuständigen Behörden klarstellen, dass „dieses Provisorium“ kein Verzicht auf die Ansprüche eines Kirchbaus bedeutet. Aber „dieses Provisorium“ erwies sich als „Bruchbude“. Und so drängten die Katholiken ihren Ortsherrn, sein Versprechen endlich einzulösen. Eine nutzbare Kirche gab es in Birkenau seit 1811 nicht mehr. Auch die Lutheraner standen mit dem Neubau einer Kirche in den Startlöchern. Doch der Baubeginn verzögerte sich. Wo sollte die neue katholische Kirche stehen? Der Platz der alten Kirche war für die Lutheraner reserviert. Die Orangerie abreißen und dort die Kirche bauen war schlecht möglich, da der Grund zu feucht war. Und so musste der „Gemüsegarten des Pfarrers“ dem Kirchenneubau weichen. Und dann mussten die Baupläne geändert werden: Franz Heger, der Architekt aus Darmstadt, plante den Grundriss für die katholische Kirche und zufällig besprach er einige Details mit seinem Chef, der an den Plänen für die evangelische Kirche in Birkenau arbeitete. Sie stellten fest, dass ihre architektonischen Ideen sich wie ein Ei dem anderen glichen. Zwei identische Kirchen in Birkenau wären zu diesem Zeitpunkt fatal. Heger setzte sich durch und sein Plan für die katholische Kirche konnte umgesetzt werden. 

Mehr Informationen unter http://birkenau.bistummainz.de

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